Ein Weltstar ohne Allüren




Sparsame Bewegungen und eine Mimik, die dem Publikum auch den Menschen Roger Waters nahe brachte.

 

Nordschleswiger.dk
1.5.2007
Augustenburg/Augustenborg DK
Schlosspark Augustenburg


Roger Waters und seine Band begeisterten 13.000 Zuhörer im Schlosspark Augustenburg: Seit 16 Uhr am Dienstagnachmittag gab es lange Staus auf dem Weg nach Augustenburg. Hatten die Autoinsassen dann endlich einen Parkplatz ergattert, warteten sie erneut entweder bei den Bier- und Imbisszelten oder vor dem Eingang, der schon ab 18 Uhr aufgemacht hatte. Doch kaum einer zeigte Ungeduld, alle waren freudig gestimmt – vielleicht auch weil so mancher seinen Durst mit so einigen Bierchen gelöscht hatte. Die Vorfreude wurde nicht enttäuscht: Roger Waters, einst Mitglied der legendären Gruppe »Pink Floyd«, be­gnadeter Gitarrist und Sänger, nahm pünktlich nicht nur die Bühne im Sturm, sondern auch das Publikum, an die 13.000 Zuhörer an der Zahl.

Der Blick auf die Videoleinwand brachte den großen Star einem nah, sehr nah und zeigte: Roger Waters lebte seine Lieder. Seine rauchig klingende Stimme ergänzte sich perfekt mit seiner ausdrucksstarken Mimik, ob schmerzverzerrt, erwartungsfroh, traurig oder lächelnd – Roger Waters hatte seine Lieder verinnerlicht und ließ seine Zuhörer durch seine Gestik und sein Mienenspiel dran teilhaben.

So machte es kaum etwas aus, wenn der Text, ins Mikrofon gesungen, manches Mal schwer zu verstehen war. Es machte auch nichts, dass seine Balladen nicht unbedingt zum Mitsingen animierten. Das erlaubte dem Zuhörer, in seinem Kopf das entsprechende Bild zu zeichnen.




Das Feuerwerk hatte Symbolcharakter: Roger Waters leitete das gut drei Stunden dauernde Konzert mit Nummern aus der legendären Einspielung »The Wall« von Pink Floyd ein, um dann hauptsächlich seine eigenen Stücke zu Gehör zu bringen.
(Fotos: Anne Busch)

Fast ekstatisch gebärdete sich das Publikum bei seinen instrumentalen Liedern. Roger Waters wechselte die Gitarren wie so manch anderer sein Oberhemd. Seine langen schmalen, von Altersflecken ge­zeichneten Finger holten mal laute, mal leise Töne aus der Gitarre, streichelten sie trotz rockigem Rhythmus fast liebevoll.

 

Roger Waters scheint dabei ein Mensch der sparsamen Bewegungen zu sein. Sein Gitarrenspiel begleitete er mit ruhigen, fast sanft anmutenden Bewegungen, die keine Hektik verbreiteten, sondern vielmehr das Instrument in seiner Vielfalt unterstrichen und ihn selbst als wahren Könner zeigten.

Das Publikum war begeistert. Diese Begeisterung schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Roger Waters und seine Band ließen zu keinem Zeitpunkt das Gefühl aufkommen, eine Show abzuspulen. Dem Zuhörer wurde das Gefühl vermittelt: »Wir spielen nur für dich allein«, egal ob es alte bekannte Melodien aus Waters Zeit mit »Pink Floyd« war oder von seinem neuen Album »The dark side of the moon«. Roger Waters gab alles, auch zwei Zugaben aus dem Klassiker »The Wall«.

 

Was Eventchef Jes Johansen vom Veranstalter »Kultur-i-Syd« so formuliert, können nach dem fast dreistündigen Musikerlebnis wohl alle Waters-Fans unterstreichen: »Das war ein fantastisches Erlebnis, nicht nur musikalisch. Ich muss lange zurückdenken, bevor ich so ein Erlebnis finde. Die Musik war ausgezeichnet. Es war eine fantastische Ton- und Lichtanlage. Es war ein Wahnsinnserlebnis.«

 

Das in kurzer Zeit ausverkaufte Konzert bestätigt ihn in der Linie von »Kultur-i-Syd«, Weltstar aller Kategorien nach Alsen zu holen. Der Organisation gelingt es dadurch, das Augenmerk auf den Sonderburger Raum zu lenken. Und wie das Publikum von Roger Waters zeigte: Viele viele waren von ganz weit her gekommen, was Kopenhagener Slang oder nordjütischen Dialekt verriet. Aus ganz Dänemark, aber auch Norddeutschland waren Musikfreunde regelrecht zum Schloss­park in Augustenburg gepilgert.

 

(DN)